Rechtswidrige Wassergebühren: Beschwerde der Stadt Kassel überzeugt Verwaltungsgerichtshof nicht

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat es auf die Beschwerde der Kassel abgelehnt, die Revision gegen sein Urteil zuzulassen. Das Gericht hatte im Dezember für Recht erkannt, dass die Wassergebühren der Stadt Kassel rechtswidrig sind. Zugleich hatte es die Revision gegen das Urteil nicht zugelassen. Dagegen hat die Stadt Beschwerde erhoben und die Zulassung der Revision verlangt. Der Beschwerde half das oberste hessische Verwaltungsgericht mit Beschluss nicht ab und hat die Akten an das Bundesverwaltungsgericht übersandt. Dort wird jetzt über die Zulassung der Beschwerde entschieden. In dem Rechtsstreit geht es um die Auslegung des hessischen Kommunalabgabengesetzes über die der Hessische Verwaltungsgerichtshof abschließend entscheidet. Das Bundesverwaltungsgericht ist an diese Auslegung gebunden. Die Beschwerde der Stadt greift in ihrer Begründung deshalb auch nicht diese Auslegung an. Sie rügt lediglich, dass sie nicht ausreichend rechtlich gehört worden ist sowie eine Verletzung der ihr vom Grundgesetz eingeräumten Selbstverwaltungsgarantie.

Caricatura Kassel: Charlotte Wagner – Tiere mit und ohne Hose

Vom 2.3. bis 12.5.2019 ist in der Caricatura Kassel eine Ausstellung von Charlotte Wagner zu sehen. In ihrer Ausstellung mit dem Titel »Tiere mit und ohne Hose« zeigt Wagner ihre Leidenschaft für analoge Zeichnungen und Komische Kunst. Sie arbeitet als freiberufliche Illustratorin für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, zeichnet Wimmelbilder und erfindet lustig bebilderte Rätsel und Spiele, manchmal auch gemeinsam mit Ari Plikat als Team »Lotte & Ari«.
Bildnachweis: Cartoon: Charlotte Wagner/Caricatura

Caricatura: Fernandez – gegen den Strich

Cartoon: Miguel Fernandez/Caricatura

Vom 2. März bis 12. Mai 2019 zeigt die Caricatura Galerie in Kassel eine Ausstellung von Miguel Fernandez. Seine Cartoons sprechen vor allem eine der menschlichen Ur-Emotionen an: Schadenfreude. Wenn es um kleine fiese Unglücke gehe, die Menschen zustoßen können, sei er am einfallsreichsten, sagt der 44-Jährige. Fernandez wurde 1974 in Stadthagen bei Hannover geboren, schlug erst eine wirtschaftliche Laufbahn ein, bevor er Kommunikationsdesign studierte. Seit 2005 arbeitet er als Illustrator und Cartoonist. Unter anderem ist er Autor und Zeichner der Serie »Gegen den Strich«, die seit 2006 in Zeitschriften und Magazinen im In- und Ausland veröffentlicht wird. Zudem hat er einige Cartoonbücher im Lappan Verlag veröffentlicht. Empfohlen wurde er dem Verlag von keinem Geringeren als Martin Perscheid, der den Link zu Fernandez‘ Website www.gegen-den-strich.com, auf der regelmäßig neue Cartoons erscheinen, an Lappan weitergab.
Do, 14.3., 11.4., 9.5.2019, 18 Uhr
Cartoons After Work – Führung durch die Ausstellung »Fernandez – Gegen den Strich«


Kassel: Kein Industriegebiet am Langen Feld

Der Protest der Bürger hatte Erfolg. Die Stadt Kassel gibt ihre Pläne auf, Teile des Gewerbegebietes Langes Feld als Industriegebiet auszuweisen. Die Umwidmung sollte wegen Erweiterungsplänen eines Unternehmens erfolgen. „Der Investor stehe zu seiner Standortentscheidung, habe aber seine Absicht erklärt, sein Unternehmen nicht über den genehmigten Rahmen hinaus baulich erweitern zu wollen, so dass eine Umwidmung entbehrlich ist“, so Oberbürgermeister Geselle (SPD) in einer Presseerklärung. Die Umwidmungsabsichten hatten zu Bürgerprotesten geführt, weil ein Industriegebiet zu noch größeren Belastungen der Anwohner führen kann als ein Gewerbegebiet. Bei der umstrittenen Ausweisung des Langen Feldes als Gewerbegebiet hatten die Vertreter der Stadt immer wieder zugesagt, dort keine Industrie ansiedeln zu wollen.

Generationenwechsel bei den Kasseler Grünen

Boris Mijatovic (45) ist der neue Fraktionschef der Kasseler Grünen. Er löst Dieter Beig (66) ab, der die Fraktion gut fünf Jahre geführt hatte. Mit ihm scheidet auch Dorothee Köpp aus dem Fraktionsvorstand aus. Neu in den Vorstand gewählt wurde Awet Tesfaiesus. Von der Fraktion bestätigt wurden Eva Koch und Steffen Müller. Mijatovic ist auch Vorsitzender des grünen Kreisverbandes und Fan des 1. FC Köln.

1918 Zwischen Niederlage und Neubeginn – Eindrücke von einer Ausstellung in Kassel


Den Ausstellungsititel >1918< zeigt dieses großformatige Display plakativ in Schriftzeichen, dazu jedoch weitschweifig und irritierende Motive einer erst Jahre nach 1918 in Erscheinung tretenden Frauenmode. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Ein Bericht in Worten und Fotografien von Hartwig Bambey. In Kassel haben das Stadtmuseum und die Museumslandschaft Hessen Kassel die Ereignisse vor 100 Jahren zum Ende des 1. Weltkrieges, die Novemberrevolution in Deutschland und die sich in das Jahr 1919 erstreckenden revolutionären und konterrevoutionären Ereignisse, die mit vielen blutigen Gewalthandlungen und Niederschlagungen verbunden waren, zum Anlass eines gemeinsamen großen Ausstellungsprojektes genommen. Die Ausstellung wird im Hessischen Landesmuseum am Brüder-Grimm-Platz und im Stadtmuseum Kassel am Ständeplatz seit 10. November 1918 bis zum 28. April 2019 präsentiert. Es wurden dazu Ideen und Ressourcen in einem gemeinsamen Projekt mit zwei räumlich getrennten Ausstellungsorten vereint, mit dem Vorzug, dass interessierte BesucherInnen die räumliche Distanz zwischen den beiden Museen fußläufig ohne weiteres überwinden können. Für die Umsetzung haben sich die Ausstellungsmacher/innen vom Stadtmuseum und dem Landesmuseum einiger institutioneller Unterstützung versichert, dazu wurde das Archiv der deutschen Frauenbewegung einbezogen. Besucherin kann erwartungsfroh den Ausstellungsbesuch angehen, wobei insgesamt 6 verschiedene Räume in ebensovielen Etagen der beiden Museen aufzusuchen sind. Trotz vorhandener Fahrstühle gerät der Besuch der Doppel-Ausstellung damit zur einigermaßen Zeit, Stehvermögen und Einlassungsfähigkeit erfordernden lohnenden Unternehmung.

Philipp Scheidemann war sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Kassel und auch in Berlin ein herausragender Akteur, indem er in der Hauptstadt des deutschen Reiches die Republik ausgerufen hat. Im Stadtmuseum wird die Rolle Scheidemanns in vielfältiger Weise in der Ausstellung thematisiert und dargestellt. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Dass Kassel als Industrie- und Arbeiterstadt, Standort von Rüstungsbetrieben und auch mit politischen Akteuren eine ganze Menge mit den politisch bewegenden Zeiten der Jahre 1918/1919 verbindet, ja dass Kassel durchaus ein wichtiger Ort inmitten der Umbrüche dieser Zeit vor 100 Jahren gewesen ist, wird in der Ausstellung anschaulich und unübersehbar.

Zunächst meuternde und dann revolutionäre Matrosen und Soldaten waren wichtige Subjekte in der (gescheiterten) Novemberrevolution des Jahres 1918. Der hier abgebildete Aufruf belegt entsprechende Geschehnisse und das Wirken politisch aufbegehrender Kräfte in Kassel. Das Stadtmuseum präsentiert dazu einige Original-Dokumente aus dieser Zeit. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Insofern leistet die recht umfangreiche Ausstellung eine wichtige und dringend gebotene Vergegenwärtigung dieser jüngeren, folgenreichen deutschen Vergangenheit. Insbesondere die konkrete Verortung von Ereignissen und Zusammenhängen in Kassel und näherer Umgebung wird mit vielen Exponaten, wie Fotografien, Flugschriften, Plakaten und auch Sachzeugnissen anschaulich und augenscheinlich gemacht. Ohne die allgemeinen Geschehnisse in Deutschland auszublenden, versuchen die MacherInnen der Ausstellung für BesucherIn die unübersichtlichen Ereignisse ein Stück näher zu bringen und sie einzuordnen.

Im hinteren Treppenhaus des Stadtmuseums finden sich im Treppenhaus als Aufgang zu den verschiedenen Ausstellungsräumen großformatige und eindrucksvolle Bildzeugnisse wichtiger Geschehnisse aus der Berichtszeit der Ausstellung – eine gelungene Inszenierung, bei der die Bewegung der Besucher von Raum zu Raum genutzt wird. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Im Stadtmuseum werden Sonderausstellungen im neuen Anbau, verteilt über mehrere Etagen, gezeigt. Das unterbricht für Besucher die Betrachtung. Das Treppenhaus findet sich mit wandgroßen Fotografien einbezogen. Neben politischen Ereignissen versucht der Ausstellungsteil im Stadtmuseum auch die miserablen Lebensumstände für die Menschen in Deutschland, seien es Millionen Kriegsversehrte, von denen viele Prothesen benötigten, hungernde Menschen oder elendig in Lagern gehaltene Kriegsgefangene, zu vergegenwärtigen.

Im obersten Ausstellungsraum des Stadtmuseums verweisen Sachzeugnisse – aus den erst Jahre später bevorstehenden Zwanziger Jahren der Weimarer Republik – auf neue Produkterfindungen wie Tempo-Taschentücher oder Haribo-Süßigkeiten u.a.m.. Ein etwas verspielter und weitschweifiger Ausflug der Kuratoren in die viel später folgende Zeit, endlich wieder und mit neuen Annehmlichkeiten des Konsums und des täglichen Lebens. Sternbald-Foto und Montage Hartwig Bambey

Als Abschluss des (ersten) Teils der Ausstellung im Stadtmuseum Kassel, wird Besucher in den Ausstellungsraum ganz nach oben geführt, wo Jede/r aufgerufen ist mittels Klebepunkten auf großformatigen Tafeln zu markieren, welche politschen Forderungen aus dieser Zeit ihr oder ihm am wichtigsten erscheinen.

Im Landesmuseum thematisiert die Ausstellung wichtige Personen, Hintergründe und Zusammenhänge des Jahres 1918. Uniformen, Bilder, Plakate, Fotografien und Lebensläufe am 1. Weltkrieg beteiligter Soldaten vermitteln dort viele Einblicke und Eindrücke. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Der andere, zweite Teil der Gemeinschaftsausstellung „1918 zwischen Niederlage und Neugbeginn“ im Landesmuseum findet sich im großen Saal unten und im Sonderausstellungsraum ganz oben inszeniert. Dort empfiehlt es sich zunächst per Fahrstuhl zum Teil oben zu fahren und dort zu beginnen. Wer zuvor die Ausstellungsteile im Stadtmuseum besucht hat, kann im Landesmuseum weitere Zusammenhänge erkennen und vertiefen.

Foto und Lebenslauf eines Weltkriegssoldaten in einer interaktiven Bildschirm-präsentation. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Bis hin zu den Lebensläufen und Schicksalen einzelner Soldaten im 1. Weltkrieg geht die Präsentation. Auf einem vom Betrachter selbst steuerbaren Bildschirm können mittels „Blättern“ Fotos und zugehörige Lebensläufe von Soldaten betrachtet und gelesen werden, ein wichtiges interaktives Element in der Ausstellung. Der 1. Weltkrieg als zerstörerisches und im Zusammenbruch einmündendes Ereignis findet sich im Sonderausstellungsraum des Landesmuseums recht ausführlich dargestellt.

Als vierter Teilbereich dieser Ausstellung finden sich im großen Saal des Landesmuseums, direkt aus dem Foyer über wenige Stufen zugänglich, Werke von Künsterlinnen und Künstler aus dieser Zeit präsentiert. Bekannt sind besonders die eindrucksvollen Zeichnungen von Käthe Kollwitz, deren Sohn Opfer des Krieges geworden war. Es finden sich einige Zeichnungen von Käthe Kollwitz, die als Folge ihrer persönlichen Betroffenheit und des allgemeinen Leids, das der Krieg in Deutschland und Europa über Millionen Menschen unausweichbar gebracht hat, zu einer engagierten Kämpferin für Frieden wurde. Damit wird der Niederschlag von Krieg und Kriegswirren in der bildenden Kunst Gegenstand und Thema der Ausstellung. Im großen Saal findet sich dies angedeutet und bruchstückhaft in Werken zeitgenössischer Künstler ausgestellt. Mancher Besucher wird sich hier möglicherweise mehr Werke wünschen, haben doch die Jahre vor und nach 1918 gerade im Kunstschaffen deutliche Spuren, Brüche und Veränderungen als breiter Niederschlag zur Folge gehabt.

Kohlezeichnung „Mütter“ von Käthe Kollwitz 1919

Insgesamt präsentiert die Doppel-Ausstellung als Gemeinschaftsprojekt von Stadtmuseum und Landesmuseum sehr vieles und wichtiges. Damit wird in Kassel Gelegenheit für Einzelbesucher, Gruppen und Schulklassen zur Beschäftigung vor Ort geboten. Dies ist wichtig und ohne Zweifel gelungen, verlangt den BesucherInnen zugleich einige Einlassung, Zeit und die Mobilität zwischen zwei Ausstellungsorten ab. Dass die Ausstellung „1918 zwischen Niederlage und Neubeginn“ nicht zuletzt auf der Basis vorhandener Sachzeugnisse und Dokumente aus den späteren Zwanziger Jahren auch bereits Einblicke in Zeiten und Geschehnisse der Weimarer Republik, bis hin zum Jahr 1928, eröffnet, ist sicherlich weitgehend. Einen Schaden stiftet dies nicht, wenngleich manche/r sich mehr Erläuterung und Einlassung auf die Kernzeit wünschen wird. Das bleibt als Einschätzung und dann persönliche Meinung jedem und jeder selbst überlassen. Denn erst als BesucherIn vor Ort erschließen sich die vielen Hintergründe und Ereignisse, die im Kassel der Jahre um 1918 wichtig, folgenreich und prägend für die Nachfolgezeiten stattgefunden haben.

Die Anfänge von Kassel als Rüstungungsstandort gehen auf den 1. Weltkrieg zurück. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Über die Ausstellung und die zahlreichen Begleitveranstaltungen, darunter Führungen, Vorträge und Filmvorführungen, informieren ein Übersichtsflyer und die Webseiten vom Stadtmuseum und Landesmuseum. Ab nach Kassel…
Originalveröffentlichung in das Marburger.deOnline-Magazin(Lizensiert durch Sternbald Intermedia)

Matrosenaufstand, Räterepublik und politische Kämpfe – Ausstellung zur politischen Geschichte in Deutschland 1918 und danach

Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Die deutsche Geschichte im Jahr 1918 ist auch die Geschichte einer gescheiterten Revolution im November 1918. Dies wird in der aktuellen Sonderausstellung im Marburger Staatsarchiv mit Originaldokumenten anschaulich vor Augen geführt. Im Erdgeschosss finden sich in Vitrinen viele Dokumente ausgestellt, die veranschaulichen, dass die Geschehnisse keinesfalls alleine in Berlin oder anderen Großstädten zu verorten sind. Sternbald-Foto Hartwig Bambey(yb)

(yb) Im Staatsarchiv Marburg als Ort zur Verwahrung historisch wichtiger Unterlagen und Dokumente gehört die Präsentation von Ausstellungen mit historischen Inhalten dazu. Es ist hier seit Jahrzehnten guter Usus eigene Präsentationen zur Geschichte zu entwickeln und meist mit Quellen aus den Archivbeständen auszustatten. Wer in diesen Tagen die großzügige Eingangshalle betritt, wird von Plakaten, Aufrufen und Dokumenten einer Ausstellung angesprochen, in der die revolutionären Umbrüche und Auseinandersetzungen der Jahre 1918 und 1919 thematisiert werden. Viele Doumente, gut lesbar und betrachtbar in Vitrinen ausgelegt, zeigen dabei auf, dass die politischen Auseinandersetzungen vor 100 Jahren keinesfalls alleine in Berlin, München oder in anderen fernen Großstädten stattgefunden haben.

Zahlreiche Dokumente, Flugblätter, Regierungsverordnungen und Zeitungsberichte geben ein lebendiges Zeugnis der Ereignisse der Jahre 1918 und 1919, als um die politische Zukunft heftig gerungen wurde. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

In Nordhessen, ob in Marburg selbst, in Arolsen, Wolfhagen oder Kassel, haben verschiedene Akteure, darunter Arbeiter- und Soldatenräte das Geschehen maßgeblich mit bestimmt. Die Austellung zu den Jahren 1918 und 1919 – im Anschluss an den Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches als Verlierermacht im 1. Weltkrieg – im unteren Bereich des Staatsarchivgebäudes am Friedrichsplatz widmet sich dem lokalen Geschehen und Ereignissen in Nordhessen.

Eine schlichte Armbinde gibt Zeugnis. Es hat nicht nur einen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat in Wolfhagen (nahe Kassel) gegeben. Dieser war zugleich im Einklang mit staatlichen Stellen für die Aufrechterhaltung von Ordnung engagiert. Die (ewige) Behauptung, dass linke Politiker lediglich Zusammenbruch und Zerstörung heraufbeschwören würden, wird mit einem solchen Sachzeugniss deutlich widerlegt. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Durch kluge Auswahl und Anordnung der meist schriftlichen Exponate wird die Zeit der von politischen Kämpfen zwischen rechts und links geprägten mühsamen Entstehung einer neuen demokratischen Staatsordnung sehr anschaulich.

In Ergänzung und Weiterführung der Vergegenwärtigung von 1918 führt eine Präsentation mit zahlreichen Thementafeln auf der umlaufenden Galerie des Obergeschosses weiter in die Zusammenhänge des revolutionären Deutschland jener Zeit. Diese Ausstellung ist bereits seit November im Staatsarchiv Marburg zu sehen und wird im Anschluss wandern zum Staatsarchiv in Darmstadt und zum Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.

Während im unteren Bereich viel lokale Dokumente und Zeugnisse aus Nordhessen, dem Zuständigkeitsbereich des Marburger Staatsarchivs, als Originale gezeigt werden, präsentiert die (Wander-)Ausstellung oben die allgemeinen Zusammenhänge der Jahr 1918 und 1919. Damit eröffnet sich Besuchern – unter denen man sich viele Schüler und Schulklassen wünschen kann – der historisch-politische Überbau jener Zeit.

Dabei wurden wiederum eine Vielzahl von Schrift-, Plakat- und Zeitungsbelegen verwendet um gut strukturierte Tafeln in einer chronologisch-inhaltlichen Abfolge und Kontextualisierung zu gestalten. Beim „Lesen“ der Ausstellung offenbart sich viel Kompetenz seitens der Macher. Diese wussten, dass sie ein Thema und politische Verhältnisse zu beschreiben hatten, die keinesfalls einfach und übersichtlich waren.

Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Den Auftakt der revolutionär-politischen Ereignisse in Deutschland zum Ende des 1.Weltkrieges markierte der Matrosenaufstand in Kiel. Dies findet sich in einer Ausstellungstafel übersichtlich vermittelt. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

So bietet das Staatsarchiv Marburg eine hochinteressante Doppelausstellung an, deren Besuch nur empfohlen werden kann. Gerade angesichts aktueller (partei-)politischer Entwicklungen mit problematischen neurechten und neonazistischen Kräften ist eine umsichtige und kompetente Vergegenwärtigung der Geschichte Deutschlands der letzen 100 Jahre geboten. Diese Ausstellung in Marburg lädt dazu ein, sie sollte gerade in Schulen bekannt sein und viele LehrerInnen mit ihren Schülern auf die Beine bringen. Sehr anschaulich, gut aufbereitet und unbedingt zu empfehlen.

Die Ausstellung mit dem klaren Titel „Es lebe die deutsche Republik“ kann bis 25. Mai im Staatsarchiv Marburg besucht werden. Auf Anfrage und nach Vereinbarung werden dazu Führungen angeboten.

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 8.30 – 16.30 Uhr
Dienstag bis Donnerstag 8.30 – 19.00 Uhr

Zu der Ausstellung ist ein sehr gut ausgestatteter Katalog erschienen, der vor Ort für 10 Euro erworben werden kann und gute Gelegenheit bietet zu Hause das vielschichtige Thema zu vertiefen und zu durchdringen.
Originalveröffentlichung in das Marburger. Online-Magazin (Lizensiert durch Sternbald Intermedia)

Stadtmuseum Kassel: Full House zum 4o-jährigen Bestehen

Die Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren in Kassel die Zeit des Wiederaufbaus der im Bombenkrieg 1943 völlig zerstörten Stadt. Dies zu vermitteln ist ein wichtiges Thema und Anliegen in dem Kasseler Haus zur Stadtgeschichte am Ständeplatz. Dass das Leben wieder begann den Menschen Freude zu machen, demonstriert der Kleinwagen dieser Zeit inmitten der ständigen Ausstellung. Am vergangenen Wochenende brauchte es schon einen besonderen Moment frühmorgens oder kurz vor Feierabend, um einen solchermaßen freien Blick auf das knubbelige Gefährt zu erwischen. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

(yb) Einen besonderen Grund hatten Kasseler Bürgerinnen und Bürger am vergangenen Wochenende ihr Stadtmuseum zu besuchen. 1979 – 2019 sind dafür die nackten Zahlen. Mithin seit 40 Jahren gibt es jetzt das städtische Haus der Geschichte zur Darstellung der über 1100 Jahre reichenden Kasseler Stadtgeschichte.


Keinen Kaktus sondern einen Blumentopf mit echtem „Henschel-Gras“ überreichte Karl-Hermann Wegner seinen Nachfolgern in der Museumsleitung Kathrin Schellenberg und Dr. Kai Füldner und unterließ es nicht zu erklären, das solche Grünpflanzen in den Henschel-Werken äußerst verbreitet waren, womit dem grünen Geschenk zugleich eine – wie könnte es anders sein – museale Seite zukommt.Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Wer wollte, konnte sich selbst von der erfolgreichen Aufbauarbeit der letzten 40 Jahren zu überzeugen und sich dabei vom Gründer und langjährigen Direktor i.R. Karl-Hermann Wegner höchstpersönlich durch die Dauerausstellung führen lassen. Karl-Herman Wegners persönliche Führung am Sonntagnachmittag war sehr überlaufen. Wann bietet sich Mensch in Kassel schon einmal solche Gelegenheit von dem Erfinder, unermüdlichen Sammler, Gründer und langjährigen Leiter des Stadtmuseums und zugleich besten Kenner der Stadtgeschichte Kassels durch die Räume geführt zu werden.

Die eckigen und damit dem Gebäudegrundriss ähnlichen Geburtstagstorten zum 40jährigen des Kasseler Stadtmuseums wurden am Sonntagmorgen nach einem Grußwort von Kulturdezernentin Susanne Völker von zwei Direktoren angeschnitten und serviert. Auf dem Foto freut sich Dr. Kai Füldner, rechts, als Direktor der Städtischen Museen schon darauf die Gäste höchstselbst persönlich einmal als Kellner zu bedienen. Währenddessen konnte sich Karl-Hermann Wegner als Museumsdirektor im Ruhestand, mitte, neben Kulturdezernentin Völker, ganz auf die gekonnte Handhabung des Tortenmessers konzentrieren. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Die umfangreiche und vielfältige Sammlung, die im Lauf der Zeit wesentlich durch Sach- und Geldspenden von Kasseler BürgerInnenn zusammen gekommen ist, konnte in den drei Etagen der Ständigen Ausstellung besichtigt, bestaunt und durchlaufen werden. Nach einer Auftaktveranstaltung am Freitag hieß es dazu Türen auf am Samstag und Sonntag – bei freiem Eintritt. So nimmt es nicht Wunder, dass über das Wochenende eine vierstellige Zahl von Kasselern durch die Räume strömte. Mitunter soll es hier und da ein wenig eng gewesen sein, wurde mitgeteilt. Wer frische Luft schnappen wollte oder musste, konnte dabei gleichzeitg oben im 4. OG auf dem Stadtbalkon im turmähnlichen Erweiterungsbau des Stadtmuseums den weiten Blick über die Innenstadt genießen.


Zum Museum gehört spielerisches ‚Begreifen‘, angeboten von den Freunden des Stadtmuseums im Untergeschoss. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Vom sonntagvormittäglichen Kuchen war schnell nichts mehr zu bekommen, dafür gab es im Untergeschoss unterhaltsame Angebote für jüngere Museumsgäste. Am Sonntagnachmittag hat es sich dann auch Hans Eichel, ehemals Oberbürgermeister von Kassel, danach Hessischer Ministerpräsident und schließlich Bundesfinanzminister, nicht nehmen lassen eine Führung zu übernehmen.
Originalveröffentlichung in das Marburger. Online-Magazin (Lizensiert durch Sternbald Intermedia)

Kassel liegt im „divers”-Vergleich nur auf Platz 83 von 100 Städten – Arbeitgeber riskieren Klage

Seit Beginn des Jahres ist das dritte Geschlecht „divers” offiziell gesetzlich verankert. In deutschen Stellenangeboten wird das Geschlecht jedoch nur in 55 Prozent der Fälle angesprochen – womit zahlreiche Arbeitgeber eine Klage riskieren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Arbeitsmarkt-Analyse der Jobsuchmaschine Adzuna www.adzuna.de, welche Stellenangebote in allen deutschen Bundesländern, den 100 größten Städten sowie verschiedenen Branchen auf die Kennzeichnung hin untersucht hat.

In Sachsen wird „divers” am häufigsten berücksichtigt
Im Vergleich der Bundesländer wird „divers” in Sachsen mit einem Anteil von rund 61 Prozent am häufigsten berücksichtigt. Knapp dahinter folgen Thüringen (60,4 Prozent) und Bremen (59,2 Prozent). Den letzten Platz belegt Schleswig-Holstein mit einem Anteil von 48,8 Prozent, dicht gefolgt von Hamburg mit 51,5 Prozent.

Inja Schneider, Country Managerin Deutschland bei Adzuna, zu den Folgen für Arbeitgeber:
„Unternehmen in Deutschland sind seit dem 01. Januar 2019 dazu verpflichtet, das dritte Geschlecht „divers” in ihren Stellenangeboten anzusprechen. So verlangt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches merkmals-neutrale Stellenausschreibungen vorsieht. Ein Verstoß kann demnach zu einer Klage führen, falls der abgelehnte Bewerber sich diskriminiert fühlt. Das trifft derzeit für knapp jedes zweite Inserat zu. Wir empfehlen daher Unternehmen dringend, ihre Stellenanzeigen zu überprüfen.”

Anteil unter den Städten unterscheidet sich um bis zu 35 Prozent
Den niedrigsten Wert unter den 100 verglichenen Städten verzeichnen Arbeitgeber in Recklinghausen. In Stellenangeboten der nordrhein-westfälischen Kreisstadt wird das dritte Geschlecht nur in einem Drittel der Stellenangebote (33,9 Prozent) angesprochen. Ähnlich niedrig ist der Anteil in Iserlohn (39 Prozent) und Esslingen am Neckar (39,8 Prozent), die Rang 99 und 98 belegen. Dahinter folgen Trier und Oldenburg mit einem Anteil von rund 40 Prozent. Kassel liegt mit einem Anteil von 49,80 Prozent auf Platz 83.

Auf Platz eins der Analyse befindet sich hingegen das in Baden-Württemberg gelegene Villingen-Schwenningen mit einem Anteil von 68,4 Prozent. Den zweiten Platz belegt Erfurt mit eine Quote von 67,9 Prozent gefolgt von Salzgitter mit 67 Prozent.

Logistik spricht „divers” am öftesten an
In der Logistikbranche wird das dritte Geschlecht in 69,7 Prozent aller Stellenangebote angesprochen – bester Wert des Branchen-Vergleichs. Im Bereich Handel und Bau berücksichtigen mit einem Anteil von 68,5 Prozent jedoch ähnlich viele Arbeitgeber die neue Option. Am niedrigsten ist der Anteil bei Inseraten aus dem Gesundheitswesen: „divers” wird hier nur in 45,6 Prozent der Inserate angesprochen.

Alle Ergebnisse der Analyse finden Sie unter:
www.adzuna.de/blog/2019/01/28/divers-in-stellenangeboten/

Kassel: Viele Gegenstimmen für neuen Parlamentsvorsitzenden Zeidler (SPD)

Bei der Wahl zum Vorsteher der Kasseler Stadtverordnetenversammlung erhielt der Sozialdemokrat Volker Zeidler 17 Gegenstimmen, 47 Stadtverordnete votierten für ihn. Die Wahl war erforderlich geworden, weil die bisherige Amtsinhaberin Petra Friedrich (SPD) überraschend zum Jahresende ihr Amt aufgegeben hatte. Friedrich war mit 62 Stimmen bei 6 Nein-Stimmen in ihr Amt gewählt worden. Die vielen Gegenstimmen sind auch deshalb überraschend, weil die SPD-nahe HNA am Tag der Wahl die Grünen zur Wahl Zeidlers ermahnt und bei seiner Nichtwahl über die Auflösung der rotgrünen Koalition spekuliert hatte.